Es tut in meinem Herzen weh, wie ich sehe, was die Menschen in unserer Gesellschaft aus sich machen.
Angst und Wut, Furcht und Zorn greifen die Herzen an, Politiker, Industrie, Medien schüren diese Gefühle
bis hin zur Explosion.
Auf allen gesellschaftlichen Ebenen (bis auf die Kunst!?!) wird vermieden, den Menschen zu zeigen, was Lebendigkeit heißt.
Die Medien schaffen neue Begrifflichkeiten für Leben, die dann möglicherweise zu Worten oder Unworten
des Jahres werden.
Anstatt Hinschauen und Mut, Herzenshaltung und Bewegung stehen wir still und lassen uns durchfluten von
Nachrichten, Bilder, Filme, die mit wuchtiger Gewalt auf unsere Herzen prallen. Merken wir dabei, wie größer
unsere Handlungsunfähigkeit auf allen Ebenen wird?
Mir ist etwas aufgefallen: Die Menschen werden nicht dümmer; sie werden unbewusster. Mir fällt auf, dass
all die Medien einen großen Beitrag dazu leisten, uns von unserer Bewusstheit fernzuhalten.
Medien machen nicht nur mehr Mode, sie "machen" Menschen.
Ich habe da eine Überlegung...
So wie viele Medien unsere Basis zur Bewusstwerdung ausschalten wollen (es gibt dahingehend auch Medien, die
unsere Basis stärken wollen! Da bitte ich um Beachtung!!), könnten doch auch wir fremdsteuernde
Medien (von gewissen Fernseh- oder Radiosender über Bereiche des Internets bis hin zu einer bestimmten Gattung von Computerspielen) ausschalten.
Keine Nachrichten, keine manipulative Sendungen, die uns ein heiter-frisch-fröhliches Leben vorgaukeln und
all unsere Wohnzimmer in okker-braun-orange streichen lassen, Gewaltfilme oder Gewaltspiele, die den Atem
zum Leben nehmen und möglicherweise in manchen Köpfen dies als eine Lösung anbieten.
Klar, wir stellen uns dann erst einmal vor, wie langweilig alles wäre - ohne die beliebten Medien, die
jeder sieht, was sagen wohl die anderen dazu? Wie steht man in der Gesellschaft dar, außer... man probiert
es aus, um der kleiner werdenden Flamme der Lebendigkeit eine Chance zu geben, sie wieder größer
werden zu lassen.
Am Mittwoch, den 11.03.2009, kamen in den Nachrichten Bilder, die uns einmal mehr schockieren sollten!
Ohnmächtig stehen Menschen einem Jungen, gerade mal 17 Jahre alt, gegenüber, der selbst ohnmächtig in
seiner Ohnmacht ist, mit der Macht von einer Waffe in seiner Hand - ich brauche wohl nicht zu erwähnen, um was es geht, um welchen Ort es sich handelt
... wir wissen es alle.
Wir stehen dem puren Unverständnis gegenüber: Warum hatte der Junge das getan? Welche genaue Absicht hatte er,
mit gezielten Kopfschüssen, Menschen das Leben zu entreißen? Warum greifen immer mehr Menschen, dazu noch
jüngere, zu Waffen oder zu der Alternative Gewalt?
Wir stehen da und können es nicht fassen, oder? Was geht in einem solchen Menschen vor, dass er sich zu
einer solchen Tat bewegen lässt? Wie kommt er auf eine solche Idee?
Ich frage mich aber auch, wie kann es kommen, dass ein junger Mensch solch ein gebrochenes Herz, eine
gebrochene Seele hat, dass er so leiden muss und seinem Schmerz mit dieser Tat einen Ausdruck schaffen
muss?
Ich gebe zu, dass ich in diesen Momenten fünf Minuten länger den Fernseher angeschaltet ließ als sonst. Dabei
blickte ich während das Zappen auf einen Videofilm, der knapp eine Woche nach der Tat des Jungen in einem
dieser berühmt-berüchtigten Sendern wie RTL, Pro7 oder sat1 gelaufen ist. Wer diesen gesehen hat, der stellt mit
ein wenig Empathie fest, dass der Junge ganz genau wusste, was er wollte, und gleichzeitig eine
Verzweiflung in sich fühlte... das Gefühl, nicht dazu zu gehören.
Was muss das für ein Gefühl sein, immer ein Außenseiter zu sein, und doch derselbe zu sein, wie
seine Mitmenschen es waren - er war einer von ihnen, ohne keiner von ihnen gewesen zu sein?!
Ich könnte nun mit psychologischen Begriffen um mich hauen, von Beobachtungslernen über intermittierende
Verstärkung, Konfliktunfähigkeit, hin zur Selbstbezüglichkeit und Selbstreferenzialität der Medien, sowie
Introspektion, und doch sind sie alle wichtig erwähnt zu werden.
Sie hängen alle miteinander zusammen und doch gibt es noch etwas ganz anderes.
Wir Menschen haben etwas an uns, das ich das
unbewusste Verhalten nennen möchte. Wir Menschen verhalten uns
so, wie wir es selbst erfahren haben - sei es durch persönliches Erleben oder auch durch Zuschauen -,
und geben dieses Verhalten auch weiter - wir sind dispositioniert. Wir sind auch dispositioniert, wenn
wir in unserem Verhalten bewusst sind... nur gibt es da den Unterschied, dass wir aus mehreren Verhaltenskomponenten
bewusst entscheiden können, wie wir uns verhalten wollen. Und es darf uns Menschen verziehen sein,
wir können nicht immer bewusst sein, aber immer öfter.
Wir leiden an seelischen Wunden und fügen unseren Mitmenschen unbewusst aus unseren Schmerzen Wunden zu,
die wiederum zu Wunden in ihren Seelen führen. So setzt sich das Zufügen von Schmerzen fort. Wir wissen nicht,
wir können nicht verstehen, was in einem Menschen vorgeht, wenn wir uns nicht mit uns und dem Mitmenschen
auseinander setzen.
Das bedeutet natürlich Aufmerksamkeit, sich Zeit nehmen, da sein, Verständnis zeigen, wenn das möglich ist.
Wir haben kaum mehr Zeit, uns gegenseitig zu zuhören, geschweige denn unserer eigenen Stimme zu zuhören,
wir müssen schnell weiter eilen. Der Druck ist zu hoch, wir müssen das noch tun und jenes, was denken
die anderen von uns?
Wir haben keine Vorbilder mehr, die uns das Gute zeigen. Wir haben Vorbilder wie Rambo, Dieter Bohlen, der
mit seinem Mundwerk genauso schießen kann wie Sylvester Stallone, Menschen, die mit fetten Waffen herum laufen,
Kinofilme, in denen Menschen abgeschlachtet werden und hinter her die Zuschauer raus gehen und sagen:
"Geiler Film, das war voller Action!"
Vielleicht eskaliert zu Hause die Situation, weil zu viele Gefühle in den Menschen sind, die unbeachtet bleiben,
von den Fühlenden wie auch von denen, die diese Gefühle durch Worte und Verhalten abbekommen. Wir achten
zu wenig aufeinander, wir achten zu wenig auf uns selbst. Den Blick auf sich richten, das ist ein
wichtiges Moment in unserer Zeit. Innehalten, abwarten, hineinspüren, tief durchatmen, spüren, was in
einem selbst vorgeht. Bewusst seinen eigenen Gefühlen werden (Introspektion)... es ist schwer, das zu tun,
weil es immer mit Schmerzen verbunden ist: Man schämt sich vor sich selbst, vor seinem Mitmenschen.
Es tut weh, sich selbst anzusehen, weil man seine eigene Unperfektion erkennt.
Und genau hier, in diesen tiefen Schmerzen, in dieser Hilflosigkeit, in die man hinein stürzen kann, aus
der man nicht mehr so einfach heraus kommt, ist es wichtig zu erkennen, dass man noch immer Liebe im
Herzen tragen kann.
Ich denke an den Jungen, der Amok gelaufen ist. Was wäre, wenn er Verständnis erhalten hätte, was wäre, wenn
ihm einer zugehört hätte, was wäre, wenn man ihn umarmt hätte. Oder gar, hat man ihm Verständnis, das Ohr,
die Umarmung geschenkt?
Was wäre, wenn wir uns selbst einmal das Verständnis geben würden? Verständnis zu unserer eigenen
Unperfektion, Verständnis unserer eigenen Schmerzen, die wir in unserem Herzen, in unserer Seele tragen?
Was wäre, wenn wir wieder lernen würden, uns selbst und unseren Mitmenschen zu vergeben? Wissen wir denn
noch, was Vergebung heißt? Welcher Fernsehsender, welches Computerspiel bringt uns solch eine Begrifflichkeit
noch bei? Begreifen wir mit unserem Herzen wieder mehr unsere Gefühle, sich mit ihnen auseinanderzusetzen,
so wie wir uns mit unseren Mitmenschen auseinandersezten könnten.
Zuhören, Verständnis, Erkennen, Wahrnehmen, Spüren. Ich glaube wirklich, dass Vergebung unsere eigenen
Unzulänglichkeiten schrumpfen lässt, die Liebe im Herzen größer lassen werden kann.
Vergebung schafft es, unseren Mitmenschen in ihrer eigenen Unzulänglichkeit mehr Verständnis zu schenken.
Ganz ehrlich, ich bin selbst ein Fachidiot in Sachen Vergebung. Ich versuche mir selbst zu vergeben.
Anderen zu vergeben ist für mich leichter als mir selbst zu vergeben. Manchen Menschen fällt es leichter
sich selbst zu vergeben, aber ihren Mitmenschen nicht, weil sie sich von ihnen nicht verstanden fühlen?!
Nein, bei mir hat es nicht damit zu tun, dass ich kein Verständnis für mich hätte. Es geht dabei um Liebe.
Liebe zu mir selbst.
Ich möchte ganz ehrlich und aufrichtig sein, dabei mag es sein, dass es einige Leser geben möchte, die mich
nicht verstehen. Aber das macht nichts. Durch die Liebe, die Gott in meinem Herzen ist, die ich
besonders letzte Woche bei einem ganz großartigen, für mich lang begleitenden Thema spüren durfte, habe ich
erfahren, was Liebe zu mir selbst bedeutet.
Es sind immer Entwicklungsschritte zu sich hin, es benötigt Geduld, vertrauenswürdige Herzensfreunde und sicherlich auch Weisheit, Demut,
Worte, die in unserer schnelllebigen Gesellschaft seltener geworden sind. Sie haben aber an Wichtigkeit und
Gewichtigkeit keineswegs verloren - eher das Gegenteil.
Ja, ich denke wirklich, Gott in seinem Herzen zu haben, macht einen Unterschied dazu, in einer Welt aus
medialer Suchterscheinungsbegleitung und Allgemeinverträglichkeit zu leben. Die Lebendigkeit, die ich durch
Gott und Jesus Christus erfahren darf (die ich - bevor ich Christ geworden bin - derart nicht erlebt hatte), hat viele meiner seelischen Probleme, nein,
nicht unbedingt gelöst, aber lösbarer, leichter gemacht. Wir tragen alle - mal mehr, mal weniger schwer -
Gewichte in unserer Seele. Doch diese Gewichte sind es, die uns Gott durch Jesus Christus tragen hilft und wir uns gegenseitig tragen
helfen können. Hand in Hand für einander dazu sein, Liebe zu schenken, in Freude sich in die Augen schauen,
zu lächeln und ja zu einander zusagen, ist das nicht das, was unsere Herzen sich wünschen?
Mein Gott, ich bin so frei - zu sagen: Möge Euer Herz mit Liebe erfüllt sein!!
Zu dem ganzen Thema habe ich mir überlegt, möchte ich Euch folgendes Buch empfehlen:
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